"Mit freshen Beats den Herrn preisen"

"Mit freshen Beats den Herrn preisen"

Ben Kelber im Gespräch über "Psalm on Beats" 22.03.2017 

Interview: Carolin Schnückel

Nächsten Freitag ist es endlich so weit: Ben Kelber kommt mit seinem "Psalm on beats"-Workshop nach Paderborn und zeigt interessierten jungen Leuten, wie Kirchenmusik klingen kann. Seit 2015 kombiniert er gesungene Psalmen mit HipHop-Beats und melodischen Instrumentals. JUPA hat ihm vorab ein paar Fragen gestellt.


Hallo lieber Ben! Vielen Dank, dass wir dich mit ein paar Fragen löchern dürfen! Ich hab mir gerade auf CREDO-ONLINE.DE das Video von eurem Messestand bei der MEHR2017 angeschaut, bei dem ganz viele verschiedene Messebesucher – junge Männer und Frauen, eine Gruppe Teenager-Mädels, ein gepiercter Papa mit einer süßen Tochter auf dem Schoß, ein Priester, sogar ein Trompetenspieler – den Psalm 27 in die aufgebauten Mikros singen (bzw. trompeten). Dieses Video hat eine unfassbare Wirkung. Man kann förmlich miterleben, was die schlichten Worte „Der Herr ist mein Licht und mein Heil“ mit den unterschiedlichen Menschen machen, während sie diese in einer ebenso schlichten Melodie singen. Mitten in der wuseligen Messe finden sie im gesungenen Psalm eine Insel, die sie alles andere ausblenden und das pure Glück aus ihren Augen sprechen lässt. Wie erklärst du dir diese tiefgreifende Wirkung von PsalmOBeats?


Ich denk‘ in erster Linie, weil es um IHN geht, weil hier einfach gemeinsam für IHN gesungen wird und wo der Geist des HERRN ist, da ist Freiheit. Und Freude und Liebe gesellen sich da als Früchte des Geistes natürlich auch ganz gern mal mit dazu :-) Zudem wurden die Aufnahmen zwar im Messetrubel gemacht, aber dieser fand ja im Gesamtrahmen einer tollen Anbetungs-Konferenz statt und in der Bibel heißt es, dass GOTT im Lobpreis Seines Volkes wohnt. Kein völlig ungünstiges Setting also ;-) Dann lässt sich der Refrain (den wir übrigens Raphael Schadt zu verdanken haben) auch noch so super singen und weckt so positive Erinnerungen – zumindest in mir – an GOTTES gutes Wirken im eigenen Leben, ans Kreuz, Seine Vergebung, Seine Treue, sichtbar in so vielen Momenten, Seine Kraft, Seine Verheißungen … Vertrauen und Zuversicht pur in ein gesungenes Bekenntnis gepackt. Das alles dann auch noch kombiniert mit so tollen Menschen und einem freshen Beat (übrigens auch vom Rapha) … Yeah! Ich würde sagen, da passt manches gut zusammen und „Preis dem HERRN“! :-D

Wie entstand die Idee, Psalmen über Beats zu singen?

Die Idee für Psalmobeats kam ursprünglich von Raphael Schadt. Anfang 2000 sammelte er in Liverpool/GB im Zuge seiner Mitarbeit bei „Life Teen“, einem Jugend-Pastoralprogramm aus den USA, verschiedene Erfahrungen zum Thema Psalm-Neuvertonung. 2015 kam dann die Idee, Antwortpsalmen für die Messliturgie mit Beats zu interpretieren und das möglichst mit den Originaltexten. Ziel war und ist es, in einfacher Form frische Ideen und Inspiration für Jugendgottesdienste anzubieten und dabei das Verständnis des Antwortpsalms als Antwortgebet auf die erste Lesung – in der Regel aus dem Alten Testament – für junge Leute neu erschließbar zu machen. Im Zuge der Mitarbeit bei CREDO-ONLINE.DE kommt diese Idee jetzt schließlich seit 2015 zur praktisch-öffentlichen Blüte und wir freuen uns über die viele positive Resonanz seitdem.

Das Thema der kirchlichen Sprache wird derzeit stärker diskutiert und rückt zum Beispiel durch Erik Flügges Buch "Der Jargon der Betroffenheit. Wie die Kirche an ihrer Sprache verreckt" in einen öffentlichen Fokus. Du dringst mit den Psalmentexten zu einer absoluten Wurzel des christlichen Glaubens vor und katapultierst sie durch die Beats in unsere Zeit. Wie siehst du die Zukunft des gelebten Glaubens, der Kirchenpraxis – muss sich die Sprache ändern oder vielleicht nur die Art der Vermittlung?

Gute Frage. Warum nicht beides? Zum einen ist es gut den „Leuten aufs Maul zu schauen“ wie Luther oder die Volxbibel und dadurch die Schwelle niedrig zu machen, sodass auch der kriminelle Youngblood aus Berlin Kreuzberg erreicht werden kann. Zum anderen ist alte Sprache nicht gleich schlechte Sprache. Wie wollte man Goethe, Schiller, Rilke und so weiter in modernen Schulhof-Slang übersetzen ohne ihrer Poesie…wie soll ich das vorsichtig sagen… massiv zu schaden. So sehe ich das auch mit dem Hohenlied und den Psalmen. Psalme sind Songtexte, sind also auch Poesie. Viele veraltete Sprachwendungen haben meiner Ansicht nach so viel Schönheit und Tiefe, die der heute gebräuchliche Sprachschatz zum Teil nicht ersetzen kann. Immer kürzer, einfacher, moderner zu werden beraubt uns mancher Schätze und ja, „back to the roots“ (also die Bedeutung von Wurzeln und Geschichte) wäre auch noch so ein Thema… aber ist ja ein Interview und kein Buch :-) Ich komm also zum Schluss: Auch kostbare Sprachgebräuche von gestern heute wieder zugänglich machen, mit ins Rennen bringen, finde ich wichtig und deluxe!

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In letzter Zeit sieht man immer mehr Musiker, die live mit Loop Stations arbeiten. Ich finde es total faszinierend, wie man dabei miterleben kann, dass sich ein Musikstück aus dem Nichts aufbaut. Deine PsalmOBeats bauen auch oft auf einem simplen Beat auf und wachsen immer mehr und mehr. Wie kann man sich den Workshop mit dir vorstellen? Wie arbeitest du in den drei Stunden mit jungen musikalischen Leuten zusammen?

…Am besten so, dass die Augen leuchten am Schluss :-) Ich habe verschiedene Konzepte im Gepäck und je nach Zeit und Leuten passt dann mal das eine oder das andere besser. Ich versuche vorher zu recherchieren und auch zu beten, was dran ist. Der Looper ist ein super Werkzeug, das ich gern verwende und das im Workshop viel Laune machen kann. Andererseits will ich ja auch Leute dazu anregen zuhause selbst kreativ zu werden und nicht jeder Workshopteilnehmer ist Musiker und dann auch noch fit genug ein komplettes Instrumental per Looper zu bauen oder gar komplette Arrangements in einer DAW (Digital-Audio-Workstation) zu kreieren. Deshalb arbeite ich bei den Workshops u.a. auch gern mit fertigen, eigenen Psalmobeat-Instrumentalen – frei erhältlich auf credo-online.de – und (Free)Beats
aus dem Internet, die „für privat“ kostenlos nutzbar sind und die meist nur höchstens 15-20€ kosten, wenn man sie öffentlich, also zum Beispiel im Gottesdienst verwenden will. Wenn jemand dann zum Beispiel einen bestimmten Psalm zuhause in der Gebetszeit singen, rappen o.ä. will, dann kann einfach ein passender (Free)Beat gestartet werden und los geht´s. Das kann jeder. Wenn die Teilnehmer keine Musiker sind, setzte ich normalerweise hier an und wir machen dann u.a. genau das im Workshop, plus gemeinsamer Refrain/Kehrvers-Bildung. Je mehr Zeit und je musikalisch fitter die Teilnehmer, desto mehr Dinge können dazu kommen, wie zum Beispiel Versgestaltung mit Text-Adaption, Umphrasierung, Beat-Building, komplettes
Songwriting, Musiktheorie und vieles mehr.

Wie geht es mit PsalmOBeats weiter? Hast du vielleicht schon den nächsten Schritt im
Hinterkopf oder eine weitere Idee, wie man junge Leute mehr für Kirche und Glauben
begeistern kann?


Unser Rezeptversuch: selbst für Jesus brennen, das kreativ ausleben und damit mit jungen Leuten in Beziehung treten. Über ungelegte Eier soll man ja bekanntlich nicht sprechen und insofern will ich ansonsten lieber nicht zu viel verraten. Ich kann auf jeden Fall läuten lassen, dass es bei CREDO-ONLINE.DE generell kreativ massiv brodelt :D und da wohl noch so einiges kommen wird. Ich sag mal einfach "stay tuned!"

Lieber Ben, vielen Dank für deine Zeit und den spannenden Einblick! Wir wünschen dir am 31. März einen tollen Workshop in Paderborn!

Ein dickes THX zurück :-) Und ich freu mich drauf!

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