In "Empörung" lernt Marcus Messner das Studentenleben und seine Grenzen kennen. In den USA der Fünfziger

In den USA der Fünfziger

Kinotipp: "Empörung" 12.02.2017 

Von Caroline von Eichhorn

"Was ist es, das einen Menschen von der Existenz zur Nicht-Existenz dreht oder wendet? Für mich war es die unablässige Bewegung von Olivia Huntingtons Bein.“

Dieses Bein, die Bibliothek, die Bücher - das College scheint wie ein Befreiungsschlag für den jungen jüdischen Marcus Messner zu sein. Endlich weg zu von zu Hause, weg von den Streitereien mit seinem strengen Vater. Stattdessen kann er viel Zeit damit verbringen, seine Nase in Philosophiebücher von Bertrand Russel zu stecken. Und dann lernt er auch noch die bildhübsche Olivia kennen, die ihm völlig den Kopf verdreht - auch und vor allem weil sie ihm ziemlich durchgeknallt erscheint. Er geht zum ersten Mal aus und erlebt ihm bislang unbekannte Intimität.

Doch so frei wie erst angenommen ist das College nicht. Auch hier herrschen Sitten und Regeln - nicht nur die Gottesdienstpflicht widerstrebt ihm, auch seine Mitschüler, die ihn von ihren Verbindungen überzeugen wollen sind ihm zu aufdringlich. Lieber trotzt Marcus alle dem und isoliert sich. Das kommt bei den Vorgesetzten nicht gut an. Sie wollen sein Bestes, indem sie ihn mehr in die Gemeinschaft einbinden. Und auch seine Mutter mischt sich in Marcus Beziehung ein.

Marcus verliebt sich in Olivia.

Der Film „Empörung“ basiert auf dem gleichnamigen Bestseller (2008) des jüdischen Schriftstellers Philip Roth. Roth gilt als einer der angesehensten Autoren Amerikas: Er gewann zweimal den National Book Award, den National Book Critics Circle Award sowie einen Pulitzer Preis. Er war bereits 75 Jahre alt, als er auf den Abschnitt seines Lebens als Student in New Jersey zurückblickte. Wie in den meisten seiner Bücher flechtet Roth auch in „Empörung“ die Themen  Judentum und Antisemitismus subtil in die Erzählung ein.

Der Film ist das Regie-Debüt des 56-jährigen James Schamus, der zuvor als Drehbuchautor und Produzent gearbeitet hat. Er hat die Buchvorlage großartig filmisch umgesetzt – auch, weil er seine eigenen Erfahrungen einbringen konnte. „Bis zu einem gewissen Grad kenne ich Marcus Messner sehr gut“, bekennt Schamus. „Ein Teil von ihm steckt auch in mir. Ein Teil von ihm steckt in jedem jüdischen Jungen, der sich bemüht, in der Schule gute Leistungen zu erbringen.“

Die Coming Of Age Geschichte illustriert präzise das Amerika der Fünfziger Jahre – dazu tragen auch die Klavier- und Geigenkompositionen von Jay Wadley bei. Abgebildet wird eine Zeit, vom Koreakrieg und der Angst vor den Kommunisten geprägt, in der Konformismus dominierte. Auch die Studenten kämpfen mit der Ungewissheit der Nachkriegszeit, in der sich Jugendkultur wie Rock’n’Roll und die sexuelle Revolution noch nicht entfalten konnte und die jungen Männer jederzeit in den Koreakrieg eingezogen werden konnten. In eben jenes angespannte Seelenleben lassen die gedehnten Gedankenmonologe des Hauptdarstellers blicken. Auch die gnadenlosen, ausgiebigen Rededuelle zwischen Marcus Messner und dem konservativen Dekan Caudwell zeigen den Generationenkonflikt.

Rededuelle zwischen Marcus Messner und dem konservativen Dekan Caudwell zeigen den Generationenkonflikt

Nicht unbegründet feiert der Film auf dem renommierten Sundance Filmfestival für unabhängige Filmproduktionen in Salt Lake City seine Premiere, wo auch Quentin Tarantino und Jim Jarmusch ihre ersten Erfolge hatten. „Empörung“ geht unter die Haut, denn der Film spiegelt wie wichtig Rebellion in der Jugend ist und wie sich jede Generation selbst finden muss, um ihren Beitrag zur Gesellschaft zu leisten. Ein Findungsprozess zwischen Anpassung und Ausbruch, zwischen Alt und Neu, konservativ und progressiv. Das ist auch heute aktuell wie eh und je.

Empörung läuft ab dem 16. Februar in den deutschen Kinos.

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