Coming of Age mit Schach

Coming of Age mit Schach

Kinokritik: Magnus 08.11.2016 

Von Caroline von Eichhorn

Als Magnus Carlsen ein kleiner Junge ist, bemerken seine Eltern zuerst, wie schwer er sich in praktischen Dingen tut. Etwa über eine Stange springen. Was seinen Schwestern mit Leichtigkeit gelingt, will Magnus Carlsen nicht probieren. Stattdessen liegt er auf der Couch und starrt Löcher in die Luft.

Ein typischer Außenseiter. Ein Loser, möchte man meinen. Auch in der Schule ist Magnus Carlsen ziemlich viel allein. Doch dann fällt seinem Vater auf, wie Magnus auf Zahlen anspringt. Egal, ob Einwohnerzahlen, Landesgrößen oder Distanzen. Magnus merkt sich jede Zahl blitzschnell. Wenn er davon erzählt, fällt auf, dass er sie geschickt kombiniert. „Er könnte gut in Schach sein“, überlegt sich sein Vater, und zeigt dem kleinen Jungen, wie das Spiel funktioniert.
Dies ist der Beginn der unglaublichen Karriere des Norwegers Magnus Carlsen, des derzeit besten Schachspielers der Welt und des jüngsten Weltmeisters im Schach.

Mit 13 erringt er seinen ersten Großmeistertitel in einem Turnier, an dem neben ihm nur erwachsene Männer teilnehmen. Bald fliegt er um die ganze Welt, um an Meisterschaften teilzunehmen. Sein Vater gibt sogar seinen Job als Ingenieur auf, um seinen Sohn zu unterstützen.

Fotos: © Moskus Film zoom
Fotos: © Moskus Film

Selten schafft es ein norwegischer Dokumentarfilm ins deutsche Kino. Und dann über Schach? Nicht gerade ein sexy Thema, und auch keines, das sich in Bildern intensiv erzählen lässt. Doch dieser Film bringt einem die Sportart nahe, auch wenn man sie selbst nicht spielt. Man bekommt Lust, sich ans Brett zu setzen und kann nachvollziehen, wieso sich Menschen dafür begeistern. Vor allem aber erzählt der Film eine ungewöhnliche Coming of Age Geschichte, bei der es nicht um typische Probleme der Heranwachsenden geht. Für Magnus Carlsen ist das einzige Problem: Wie kann ich noch bessere Schachstrategien entwickeln?

„Magnus“ ist der erste Langfilm des norwegischen Regisseurs Benjamin Ree, der zuvor als Journalist für Reuters und die BBC arbeitete. Seine journalistische Neugier spürt man dem Ergebnis an. „Ich wollte verstehen, wie Magnus Geist funktioniert und dabei auch herausfinden, wer er auf einer tieferen menschlichen Ebene ist“, sagt er. Dafür musste Ree geduldig sein.

Es ist nicht leicht, an Magnus Carlsen heranzukommen. Er sagt kaum etwas, gibt wenig Reaktionen von sich, kurz gesagt: er ist ziemlich introvertiert. Deswegen ist die Geschichte in großen Teilen aus der Sicht des Vaters erzählt. Manchmal würde man gerne Magnus mehr reden hören – doch dann muss man eigentlich nur warten, bis er wieder Schach spielt. Da blüht er auf, fiebert mit, geht aus sich raus. Wenn er ein Tief hat, sieht man ihm seine Verzweiflung an. Er legt seinen Kopf in die Hände, beißt sich auf die Lippen.

Die Momente, in denen man Magnus Carlsen am Nahsten kommt, sind die, in denen er versagt. Das kommt vor, wenn der Druck von außen zu groß wird. Zu viele Kameras, Blitzlicht, Fragen. Da fließt seine Gedanken nicht mehr. Mehrmals scheitert er um Haaresbreite kurz vor einem großen Sieg.

Und trotzdem: Was in Magnus vorgeht, kann der gemeine Kinozuschauer nie ganz verstehen, denn wer hat schon den gleichen Intellekt wie Magnus Carlsen? Man erfährt hingegen sehr gut durch den Film, dass sein Talent nicht vom Himmel gefallen ist. Selbst für jemanden mit einem solch herausragenden Talent ist es kein leichter Weg zum Erfolg. Stattdessen rührt sein Können daher, dass sich der junge Norweger permanent mit Schach beschäftigt, den ganzen Tag lang Stellungen analysiert: beim Essen, bei Spaziergängen, in Gesprächen.

Nur durch die ausführliche Auseinandersetzung gelingt es ihm, so virtuos zu spielen – und intuitiv. Denn trotz aller Überlegungen trifft Magnus Carlsen im Spiel spontane kreative Entscheidungen. Seine Stärke ist es nicht, wie ein Computer die höchste Wahrscheinlichkeit auszurechnen, sondern seinen Gegner mit unerwarteten Ideen zu verwirren. Der Triumph der kreativen Leistung, das ist die schönste Erkenntnis, die der Film liefert.

„Magnus“ läuft ab dem 10. November in den deutschen Kinos. Für Sonderveranstaltungen kann man sich bei der Presseagentur filmcontact.de melden.

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